Wenn man einen Raum betritt und eine Leuchte einem den Atem raubt, liegt das selten nur am Design. Meistens sind es die Materialien.
Es besteht ein spürbarer Unterschied zwischen einem maschinell gefertigten und einem von Hand geformten Objekt. Bei Astremier fasziniert uns dieser Unterschied. Wie Licht durch echten Stein fällt oder sich an scharfkantigem Kristall bricht, verändert die gesamte Atmosphäre eines Raumes.
Wir wollten Ihnen einen kleinen Einblick in die chaotischen, lauten und heiklen Prozesse geben, die aus Rohmaterialien die Stücke unserer Kollektion entstehen lassen.
Der Atem im mundgeblasenen Glas
Die Glasbläserei ist ein uralter Tanz, der sich in 2000 Jahren kaum verändert hat. Sie beginnt mit dem „Sammeln“ – dem Eintauchen einer Glasmacherpfeife in einen Ofen mit geschmolzenem Glas, das die Konsistenz von heißem Honig hat.
Von da an beginnt ein Wettlauf gegen die Temperatur. Der Künstler muss die Pfeife ständig drehen, damit das Glas nicht tropft, und gleichzeitig Luft hineinblasen, um die Blase zu formen. Das erfordert ein enormes Lungenvolumen und ruhige Hände.
Was wir an mundgeblasenem Glas am meisten lieben, ist, dass es im Grunde eine gefrorene Flüssigkeit ist. Da es durch Atem und Schwerkraft entsteht, gleicht kein Farbton dem anderen. Manchmal sieht man winzige Bläschen (sogenannte „Keime“) oder leichte Wellen auf der Oberfläche. Für uns sind das keine Fehler, sondern die Handschrift des Glasmachers.
Der „Stein, der leuchtet“: Alabaster polieren
Alabaster ist magisch, weil er einen Widerspruch erzeugt: Er ist ein schwerer, massiver Stein, sieht aber im Licht so weich aus wie eine Wolke.
Der Prozess beginnt mit dem Abbau roher Felsbrocken, die von außen kreidig und undurchsichtig wirken. Die Magie entfaltet sich beim Drechseln und Polieren. Kunsthandwerker verwenden Drehbänke, um den Stein in relativ dünne Schichten abzutragen. Während sie ihn immer glatter schleifen, gibt der Stein nach und nach seine Geheimnisse preis.
Man beginnt, den inneren „Rauch“ zu erkennen – die dunklen Eisenoxide oder erdfarbenen Adern, die sich durch das milchig-weiße Gestein ziehen. Alabaster für Beleuchtungszwecke zu polieren, ist knifflig; schneidet man ihn zu dick, blockiert er das Licht. Schneidet man ihn zu dünn, wird er spröde. Gelingt dies, lässt der Stein das Licht nicht nur durch, sondern scheint es in sich zu halten und erzeugt so jenen cremigen, diffusen Schein, den kein Milchglas nachahmen kann.
Der Prismeneffekt von geschliffenem Kristall
Wenn es bei Alabaster um Weichheit geht, dann geht es bei Kristall um Schärfe.
Hochwertige Kristallleuchten erfordern präzises Schleifen. Während Glas geformt wird, wird Kristall oft mit Diamantscheiben geschliffen. Ziel ist es, scharfe, klare Kanten zu erzeugen. Warum? Weil abgerundete Kanten das Licht ablenken, während scharfe Kanten es brechen und in sein Farbspektrum zerlegen (Lichtbrechung).
Der Kunsthandwerker hält den Kristall an die Schleifscheibe, um tiefe geometrische Muster – Facetten – zu schleifen, die wie winzige Spiegel wirken. Nach dem Schleifen sieht der Kristall matt und rau aus. Anschließend durchläuft er einen aufwendigen Polierprozess, oft mit Säurebädern oder Filzscheiben, um seine brillante, flüssige Klarheit wiederherzustellen. Das Ergebnis ist ein Material, das Licht vervielfacht und eine einzelne Glühbirne in ein funkelndes Schmuckstück verwandelt.
Die Geschichte von verwittertem Holz
In einer Welt aus glänzenden Metallen und funkelndem Glas bietet verwittertes Holz die nötige Bodenständigkeit. Es verleiht dem Ganzen Geschichte.
Die Erzeugung eines „verwitterten“ Aussehens besteht nicht einfach darin, Holz grau zu streichen. Authentische Verwitterungsprozesse beinhalten die physische Veränderung der Holzstruktur, um jahrelange Witterungseinflüsse nachzuahmen.
Mit Drahtbürsten wird oft das weichere, „Sommerholz“ von der Oberfläche entfernt, sodass die härteren, dunkleren Maserungsrippen zum Vorschein kommen. Dadurch erhält das Holz eine haptische, dreidimensionale Oberfläche, die Schatten reflektiert. Anschließend verwenden wir Beizen, die nicht nur auf der Oberfläche aufliegen, sondern einziehen und mit den Gerbstoffen im Holz reagieren. So entstehen die komplexen, graubraunen und treibholzartigen Farbtöne. Das Ergebnis ist eine rustikale Wärme, die die Kühle von Metallketten oder Glasschirmen ausgleicht.
Das Material bestimmt das Licht. Ob die rauchige Maserung des Alabasters oder die perfekt unperfekte Blase im mundgeblasenen Glas – diese Details sind wichtig.
Entdecken Sie unsere Kollektionen und sehen Sie, wie diese Materialien in Ihrem Zuhause zum Leben erwachen.